Freitag, 16. März 2012

100 Prozent erneuerbar!

Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiss: Auch für die Schweiz gibt es den schnellen Weg zu einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien. Mit vielen Fakten unterlegt, zeigt der Basler Energieexperte Rudolf Rechsteiner, dass Wasserkraft in Kombination mit Solarenergie die Schweizer Energiewirtschaft schnell revolutionieren kann – oder könnte.

Drei Entwicklungen stellt der Basler Alt-SP-Nationalrat an den Anfang seines Buches, dessen erstes Kapitel im folgenden wegen seiner wegweisenden energiepolitischen Erkenntnisse zusammengefasst sein soll. Die herrschende Energiewirtschaft ist immer noch vom Erdöl dominiert, dieses ist aber in den vergangenen zehn Jahren um etwa das Fünffache teurer geworden. Zweitens hat sich aller beschworenen Renaissance zum Trotz die Atomwirtschaft im gleichen Zeitraum deutlich zurückgebildet – ihr Anteil an der Weltstromerzeugung sank von einem Fünftel auf einen Siebtel. Und parallel zu diesen beiden Bewegungen in der fossilen und nuklearen Energiewelt haben die Erneuerbaren wie Wind und Sonne unglaublich viel Boden gut gemacht, sind aus einer reinen Nische zu einem bedeutenden Faktor geworden.

Inwieweit das zu- und auch die Schweiz betrifft, schildert Rechsteiner im Eingangskapital seines eben in die Läden gelieferten Buches «100 Prozent erneuerbar» gut verständlich und stets mit eingängigen Grafiken unterlegt – man erinnert sich diesbezüglich an die wertvollen Wirtschaftsbücher von Rudolf H. Strahm, eines anderen ehemaligen SP-Nationalrats. Doch Rechsteiner bleibt bei seinen Leisten, sprich, er widmet sich auch in diesem im Orell-Füssli-Verlag herausgegebenen und von Greenpeace unterstützten Buch der Energiefrage im engeren Sinn, die er schon während seiner 12jährigen Parlamentstätigkeit als Basler Nationalrat hauptsächlich betrieb (daneben galt er dort als Spezialist für Vorsorgefragen der 2. Säule).

Eine Art Vorsorge ist ja auch das Verfolgen der Energiewirtschaft – und das Aufzeigen, welches Potential in den Erneuerbaren Energien steckt. Noch bevor der Autor ins Detail geht, zeigt er bereits im Eingangskapitel des neuen Buchs, dass die Option 100 Prozent erneuerbar für die Schweiz erstens ein gangbarer Weg ist, zweitens sich unser Land sogar besonders eignet für diesen Weg und drittens die Kombination von vorhandener Wasserkraftinfrastruktur und dem Potential der Solarenergie eine baldige Realisierung möglich macht. Ja hier belegt es einer ganz konkret (der Westschweizer Nationalrat und Swissolarpräsident Roger Nordmann hatte es auch schon getan, siehe Solarmedia vom 11. Mai 2011), dass die Solarenergie der Schlüssel für diesen Schweizer Weg zu den Erneuerbaren ist. Insofern hat Rechsteiner seine Position gegenüber früher geändert, was ja aufgrund neuer Gegebenheiten nicht verboten ist. Denn einst galt er als Verfechter einer Energiestrategie, die in Bezug auf die Erneuerbaren vor allem auf den Wind setzte – und dabei zu einem guten Teil auf Wind aus Norddeutschland. Verbunden mit dem Problem der Netzinfrastruktur, die noch immer einer Lösung harrt.

Aber eben, jetzt ist der Wind für Rechsteiner noch eine mögliche Option für die Winterenergielücke (vorallem November bis Januar). Während in der ganzen restlichen Zeit einer Kombination von Wasserkraft (nach einem moderaten Ausbau) und solarer Stromerzeugung, der so genannten Photovoltaik, nach seinen Berechnungen ausreicht, selbst einen steigenden Strombedarf der Schweiz bis ins Jahr 2030 vollumfänglich erneuerbar zu decken. Möglich wird das von Seiten der Solarenergie, wie Rechsteiner plausibel aufzeigt, weil vor allem die Alpenregion ein grosses Potential aufweist mit Solarstromerträgen, die jenen Südeuropas gleichkommen (wenig Nebel, sehr viel Sonnenschein, für die Photovoltaik zuträgliche kühle Temperaturen). Weil sich Solaranlagen insbesondere seit 2009 enorm verbilligt haben und diese Entwicklung (im Gegensatz zur Preisentwicklung bei den fossilen und nuklearen Brennstoffen) weiter geht, ist die skizzierte Option nicht nur eine ökologisch sinnvolle, sondern auch eine ökonomisch tragbare.

Wie realistisch der Weg ist, zeigt auch die Situation rund um die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Sie macht exemplarisch klar, welch ein Machtkampf um die künftige Stromversorgung hierzulande tobt. Denn eine Ausdehnung der KEV, respektive eine Berücksichtigung aller hängigen Gesuche, erlaubte bereits heute eine Stromproduktion, die jene der drei AKW Mühleberg, Beznau I und II ersetzte. Und dank der vorhandenen und im Bau befindlichen Speicherseen lässt sich auch das Problem des fehlenden Sonnenscheins zu Nacht- und Winterzeiten lösen. Die herkönnliche Stromlobby wehrt sich noch, doch nicht nur Rechsteiner ist voll des Optimismus, dass sich die erneuerbare Variante dank ihrer vielen Vorteile, letztlich dank der Macht des Faktischen durchsetzen wird.

Rudolf Rechsteiner: «100 Prozent erneuerbar», Orell Füssli Verlag, 2012, 29.90 CHF






© Solarmedia

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Montag, 15. August 2011

Nullenergiegebäude

Die gleichnamige Publikation ist bei DETAIL erschienen. Die Erstellung erfolgte im Kontext der Zusammenarbeit von Experten der Internationalen Energieagentur im Rahmen der Programme Solar Heating & Cooling (SHC, Task 40) und Energy Conservation in Buildings & Community Systems (ECBCS, Annex 52) unter dem Titel „Towards Zero Energy Solar Buildings“. Auch Schweizer Projekte werden dargestellt.

Die Veröffentlichung mit rund 190 Seiten besteht im wesentlichen aus 2 Hauptkapiteln zum Thema „Hintergrundinformationen“ sowie „Projekte + Erfahrungen“. Erstgenannter Abschnitt informiert auf 38 Seiten über „Wege zum klimaneutralen Gebäude“, „Methodische Grundlagen der Bilanzierung“, „Energiebilanzierung, Normung und Gesetzgebung“. Letztgenannter Abschnitt gibt auf 129 Seiten einen Überblick über Projekte und deren Merkmale. Dazu gehören kleine und große Wohnhäuser, Siedlungen, Städte, Bürogebäude, Gebäude für Produktion und Verwaltung oder Bildung ebenso, wie experimentelle Gebäude (hier Solar Decathlon Europe).

Die thematisierten Nullenergie- und Plusenergiegebäude zeigen auf, wie sich durch konsequente Zusammenführung von Architektur, Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort eine ausgeglichene Jahresenergiebilanz erreichen lässt. Viele in der Veröffentlichung vorgestellten Projekte sind sogenannte Nur-Strom-Häuser. Letzteres gilt vor allem für die Wohngebäude. Deren Energiesystem ist auf Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen beschränkt, sodass Strom der einzige Energieträger ist. Da bei Nullenergiegebäuden im großen Stil bisher auf Langzeitspeicherung von elektrischer Energie verzichtet wurde, übernimmt für diese Fälle das Stromnetz die Aufgabe der Speicherung und gleicht saisonal schwankende Energieerzeugung gegenüber der ebenfalls unbeständigen Energienachfrage aus. Die Beispiele zeigen, dass es einer hohen Energieeffizienz bedarf, damit eine Chance für den Ausgleich der energetischen Jahresbilanz besteht. Viele Projekte nutzen als Ausgangsbasis den Passivhausstandard, während erste Sanierungsprojekte Wege zum Nullenergiehaus im Bestand demonstrieren.

Mit der Fortschreibung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) wurde das Thema prominent besetzt. Mit dieser prägte die EU-Kommission 2010 den Begriff „nearly zero-energy building“, wobei in der deutschen Übersetzung „Niedrigstenergiegebäude“ daraus wurde (Gebäude mit sehr hoher Gesamtenergieeffizienz; fast bei null liegender oder sehr geringer Energiebedarf, welcher zu einem ganz wesentlichen Teil durch erneuerbare Energie gedeckt wird). Mit der Endfassung der Direktive wurden Festschreibungen von Begriffen, wie Nullenergiegebäude oder, wie der schon in einigen Ländern gut etablierte Passivhausstandard verworfen.

Damit überlies die EU-Kommission den nationalen Mitgliedsstaaten die weitere Vorgangsweise bei der Definition von Berechnungsverfahren, die im Gegensatz dazu beim Passivhausstandard definiert sind. Der Prozess der Definition für die „nearly zero-energy buildings“ steht 2011 erst am Anfang.

Das Kapitel „Energiebilanzierung: Praxis, Normung und Gesetzgebung“ betrachtet das Thema am Beispiel von Deutschland, der Schweiz (zwar kein EU-Mitglied aber gutes Vorbild) sowie Österreichs detailierter. Das Buch von Karsten Voss und Eike Musall, welches unter der Mitwirkung zahlreicher Co-Autoren entstand, ist im Buchhandel unter der ISBN 978-3-920034-50-8 ab 49,90 € oder beim Verlag über das Internet erhältlich (www.detail.de).

Quelle: oekonews

Dienstag, 31. Mai 2011

Muntwylers Solarhandbuch

Wie optimal von der Sonne zu profitieren ist, zeichnet die 12. Auflage von Muntwylers SolarHandbuch nach. Auf über 300 Seiten finden sich Erläuterungen, Tipps und Beispiele zur Nutzung der Sonnenenergie für Strom, Wärme und Mobilität. Autor Urs Muntwyler - unterdessen Professor an der Berner Fachhochschule - verfügt über 35 Jahre Erfahrung in der Nutzung der Sonnenenergie.

Wie die „Zukunft der Energieversorgung“ aussieht, ist nur einer der vielen Grundlagentexte, die die Anwendung der Sonnenenergie beschreiben. Speziell für Hausbesitzer wird detailliert aufgezeigt, wie ein „Haus auf Sonne“ umgestellt werden kann. Technische Lösungen und Beispiele vermitteln auch weniger versierten LeserInnen, wie die Lösungen aussehen können. Für technische Interessierte sind viele hundert Komponenten beschrieben. Dabei wird neben den technischen Daten auch die Hauptanwendungen beschreiben. Dies erleichtert die Orientierung und Auswahl der Komponenten.

Die Komponenten und Lösungen basieren auf Lieferanten, welche zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten Erfahrung haben. So bei den Sonnenkollektoren von Solahart und den Solarmodulen von Sharp, welche jeweils seit über 50 Jahren Erfahrung haben. Das SolarHandbuch wird abgeschlossen durch die Beschreibung von weit über tausend in den letzten 30 Jahren realisierten Solaranlagen. Viele Anlagen sind mit vierfarbigen Fotos gezeigt, die einen Einblick in die Vielfalt der Solaranlagen geben. Einzelne Anlagentypen werden detailliert besprochen, so die bekannte SAC-Hütte „Monte Rosa“, welche auch das Titelbild ziert.

Wer sich für eine eigene Solaranlage interessiert, wird mit den verschiedenen Offertformularen bedient, mit denen eine Gratis-Richtofferte angefordert werden kann. Muntwylers SolarHandbuch erschien erstmals 1988 und erscheint nun in der 12. Auflage. Die Grundlagentexte zur Nutzung der Sonnenenergie sind von Firmengründer Urs Muntwyler verfasst, der seit 2010 eine Professur für Photovoltaik an der Berner Fachhochschule hat und deshalb nicht mehr operativ tätig ist.

Muntwylers SolarHandbuch für sFr. 18.00 inklusive Versandgebühr bei:
Solarcenter Muntwyler AG, Tannholzstrasse 1, 3052 Zollikofen
Telefon: 031 915 16 17/ Telefax: 031 915 16 16
E-Mail: info@solarcenter.ch

Quelle: Solarcenter Muntwyler

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Dienstag, 15. Februar 2011

CH-Energiefachbuch 2011

Noch ist die 2000-Watt-Gesellschaft eine Vision mit ehrgeizigem Ziel: Wollen wir es erreichen, müssen wir bis in 40 Jahren den Energieverbrauch um zwei Drittel reduzieren. Die neueste Ausgabe des Schweizer Energiefachbuchs zeigt: Nachhaltigkeit schränkt Kreativität der ArchitektInnen in keiner Weise ein.

Ehrgeizig zwar, aber kein Ding der Unmöglichkeit. Das zeigen neueste Modellrechnungen von Schweizer Experten. Damit die Vision nicht zur Illusion wird, müssen wir u. a. nachhaltiger bauen - das heisst vor allem langfristiger denken und die Lebenskosten eines Gebäudes mit einkalkulieren: Die Energie in Wohngebäuden, Büros und Infrastrukturbauten muss effizienter genutzt und der Anteil an erneuerbarer Energie muss vergrössert werden. Das bedeutet aber nicht, dass Architekten deswegen keine formal ansprechenden Gebäude erstellen können. Im Gegenteil: Das Schweizer Energiefachbuch 2011 beweist, dass Nachhaltigkeit die Kreativität des Architekten in keiner Weise einschränkt, im Gegenteil - der Anspruch nach Nachhaltigkeit stellt eine spannende und sinnvolle Herausforderung dar. Zahlreiche konkrete und gelungene Beispiele belegen dies und beweisen, dass attraktiv und energieeffizient sich nicht ausschliessen.

Zudem finden Interessierte detaillierte Dokumentationen zum Stichwort "Energie-Contracting": Ein aktuelles Thema, denn die Auslagerung der Haustechnik macht Investitionen in energieeffiziente Anlagen möglich - der Bauherr als Contractingnehmer spart die Investition der Anlage und kauft Kälte und Wärme zu vertraglich festgelegten Konditionen ein, der Contractor finanziert und betreibt die Anlage für eine Dauer von 15 oder 20 Jahren und ist entsprechend an einem energieeffizienten, gewinnbringenden Betrieb interessiert. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten - besonders aber auch für die Umwelt.

Weitere Themenschwerpunkte sind: "Facility-Management" - wichtig für die klare Ermittlung der Lebenszykluskosten eines Gebäudes - sowie der "Bau- & Energiemarkt" mit vielen herausragenden Innovationen, die praxistauglich sind. Spannend ist auch die Auseinandersetzung mit dem Thema "Tageslicht für nachhaltiges Bauen" - also die richtige Anwendung von Licht und Schatten und die Erfolgsstory der LED-Beleuchtung - im Büro wie auch im öffentlichen Bereich. Neben den praxisnahen Artikeln macht der ausgedehnte "Serviceteil" das Energiefachbuch zum nachhaltigen Nachschlagewerk für Ingenieure, Architekten, Investoren und Bauherrschaften.

Quelle: KünzlerBachmann Medien AG / Sonnenseite

Es dämmert in Ölwirtschaft

Es gibt schon einige Bücher über das zu Ende gehende Ölzeitalter. «Öldämmerung» von Jörg Schindler ist das erste, das nach dem Untergang der Förderplattform Deepwater Horizon erscheint - und das über die Analyse dieses Fanals der Ölwirtschaft hinaus geht.

Der Untergang der Ölplattform Deepwater Horizon führte zur größten Ölkatastrophe in der Geschichte der Menschheit. Im Kampf um die immer aufwändigere und riskantere Erdölförderung zeigt das Unglück im Golf von Mexiko mit dramatischer Schärfe, dass die Welt vor einem Umbruch steht, dessen Folgen niemand absehen kann. Diskutiert wurde viel seit dem April 2010: Sind die Risiken der Ölgewinnung in der Tiefsee überhaupt zu verantworten? Welche Rolle spielen die Regierungen? Wer kontrolliert die Ölindustrie? Und sind wir nicht alle mitschuldig, weil wir vom Öl nicht lassen können? Nur eine Frage – und zwar die entscheidende – wurde nicht gestellt: Kann es überhaupt so weitergehen? Jörg Schindler gibt eine Antwort. Sie ist klar und unmissverständlich. Weil Peak Oil erreicht ist, jener Punkt also, ab dem die Ölfördermengen nicht mehr gesteigert werden können, sind wir gezwungen, umzudenken und mitzuarbeiten an der Gestaltung einer zukunftsfähigen, postfossilen Welt.

Erdöl ist nicht nur der Treibstoff, es scheint auch die Droge der Weltwirtschaft zu sein: Niemand kann davon lassen, alle verdrängen die Risiken der Abhängigkeit. Auch die letzten Tropfen, das Öl aus der Tiefsee, werden gefördert. Dabei ist die Exploration der dort lagernden Reserven nicht nur enorm teuer, sie birgt auch immense Gefahren, wie die Havarie der Ölplattform Deepwater Horizon im April 2010 eindringlich gezeigt hat. Für Jörg Schindler ist das Unglück im Golf von Mexiko nicht nur die größte Ölkatastrophe aller Zeiten, sondern auch ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zeit billiger fossiler Energieträger vorbei ist. Das Endspiel des Ölzeitalters hat begonnen und die Welt steht vor einem Umbruch, wie er tiefgreifender nicht sein kann.

128 Seiten, oekom verlag München, 2011
ISBN-13: 978-3-86581-246-9
Preis: 12.95 €

Quelle: oekom Verlag

Dienstag, 28. Dezember 2010

Was man zur Krise lesen sollte

Hat sich die Oekonomie seit der Finanzmarktkrise bewegt? Eine gute Frage, und Versuche guter Antworten. Eine Übersicht von Claude Longchamp.

Die Pleite von Lehman Brothers löste eine global beispielslose Finanzmarktkrise aus, die wiederum die Weltwirtschaft durcheinander wirbelte und die Politik der USA und der EU erschütterte. All das hat namentlich die viel gescholtenen Oekonomen aufgerüttelt, über ihr Wissen und dessen Grundlagen nachzudenken. Die NZZ am Sonntag listete einige der Werke auf, die zu lesen sich lohnt. Gerne gebe ich die weiter, von denen ich das auch sagen kann:

Andrew Ross Sorkin: Die Unfehlbaren, Spiegel-Verlag 2010
Die typische Spiegel-Reportage mit 200 Beteiligten, im Genre eines Krimis verfasst

Nouriel Roubini, Stephan Mihm: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft. Campus-Verlag, Frankfurt 2010
Dr. Doom der Finanzmarktkrise, weil er sie der Bedeutung der Schrottpapiere für das Schrottsystem vorhersah

Paul Krugman: Die neue Weltwirtschaftskrise, Campus-Verlag, Frankfurt 2009
Einflussreicher Wirtschaftsberater und Kritiker des Schattenbanksystems das neu reguliert werden sollte

Joseph Stiglitz: Im freien Fall. Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft, Siedler, München 2010
US-Nobelpreisträger und Gegner freier Märkte, die ohne staatliche Rahmenbedingungen nicht funktionieren

George A. Akerlof. Robert J. Shiller: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert, Campus, Frankfurt 2009
Rational-choice-Analyse missinterpretieren das reale Wirtschaftsverhalten, das viel instinktiver ist und Impulsen folgt

Carmen Reinhard, Kenneth Rogoff: Dieses Mal ist alles anders. Acht Jahrhunderte Finanzkrisen. Finanzbuchverlag 2010 - 800 Jahre Finanzkrisen zwischen zwei Buchdeckeln analysiert, um den regelmässigen Zusammenhang von Verschuldung und Krise auszuloten

Niall Ferguson: Der Aufstieg des Geldes. Die harte Währung der Geschichte. Econ-Verlag, Berlin 2009
Reagierte 2008 sofort, unverbesserlicher Optimist, gemäss dem wir trotz kleinen Ausschläge in der besten aller Wirtschaftszeiten leben; lässt sich auch als Gegenprogramm lesen

Ein Buch, das mit als Ganzes gut gefallen hat, findet sich nicht auf der Liste der Sonntagszeitung. Es ist das schmale, aber gehaltvolle Bändchen von Roger de Weck mit seinen Schlussfolgerungen für ein sinnvolles Handeln in Zukunft.

Roger de Weck: Nach der Krise? Gibt es einen anderen Kapitalismus? Nagel&Kimche, 2010

Wer also noch einige Tage frei hat, kann sie auch nutzen, um sich in einer relevanten Frage weiter zu bilden.

Quelle: Claude Longchamp / Zoon Politicon

Sonntag, 18. April 2010

Solarinfo auf breiter Basis

Die deutsche Monatszeitschrift ist zwar für den grössten Solarmarkt der Welt, das nördliche Nachbarland geschrieben. Dennoch bringen viele Artikel interessante und über Deutschland hinaus gültige Infos und Einsichten – auch für die Schweiz.

Naturgemäss ist das deutsche Einspeisegesetz, angesichts der immer noch laufenden politischen Auseinandersetzung um dessen Neuformulierung, ein Schwerpunkt der jüngsten April-Ausgabe. Dabei macht Photon wahr, was schon immer Markenzeichen des nunmehr bereits 15 Jahre alten Magazins ist: Die Redaktion mischt sich mit fundierten Vorschlägen in die politische Diskussion ein – wenn auch viele der Vorschläge den altgedienten Solarkämpfern und vor allem der deutschen Industrie nicht passen dürften.

Nicht nur hatte das Magazin seit langem eine radikale Senkung der Einspeisevergütung gefordert – die sogar über die aktuellen Vorschläge der konservativen neuen Bundesregierung hinausgingen (Absenkung um bis zu 30 Prozent). Nun verlangt es eine regionale Differenzierung, um die einseitige Zusatzbelastung des Stromnetzes durch die erneuerbaren Energien in Massen zu halten. Rund die Hälfte des Solarstroms wird nämlich in Bayern und Baden-Würtemberg eingespeist. Allerdings könnte man mit der gleichen Begründung auch eine Differenzierung beim Windstrom verlangen, der vornehmlich aus nördlichen Küstengebieten stammt.

Sodann möchte Photon auch die Einspeisevergütung nicht wie vorgesehen im Falle des Eigenverbrauchs verstärkt fördern, da damit der Grundgedanke des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes torpediert werde (wonach sich alle in gleichem Masse an den Kosten zu beteiligen hätten). Unkonventionell und überlegenswert der Vorschlag schliesslich, weniger günstig ausgerichtete Dächer (nach Westen und Osten) zusätzlich zu fördern, um diese Quellen zu erschliessen. Das ganze Photon-Paket läuft auf die stets verfolgte Stossrichtung hinaus, aus der Photovoltaik möglichst schnell einen Massenmarkt zu machen – womit sich auch verböte, die Aufstellung von Grossanlagen auf Ackerflächen zu unterbinden.

Die April-Ausgabe bringt aber auch interessante Einsichten in die Entwicklung anderer bedeutender Märkte. So ist etwa China auf dem grossen Sprung, ohne allerdings bis jetzt in grossem Mass auf eine (vereinzelt zur Anwendung gelangende) Einspeisevergütung zu setzen. Diese ist zwar in China wie in weiteren mehr als 30 Staaten unterdessen Gesetz, Hürden verschiedenster Art behindern jedoch das normalerweise einsetzende Wachstum der Märkte (wie etwa in Italien). Interessant auch der Blick nach Bolivien, wo vor allem für netzungebundene Insellösungen ein grosses Potential besteht, zumal im Andenstaat zumindest Komponenten für Solaranlagen sogar im eigenen Land hergestellt werden. Ein speziell konzipiertes Mikrofinanzsystem scheint der Photovoltaik langsam auf die Beine zu helfen – wobei in Bolivien die Regierungspolitik der Energieversorgung für Alle einen grossen Stellenwert einräumt.

Die üblichen umfassenden Marktübersichten sind auch in dieser Photonausgabe enthalten und machen das Magazin zu dem, was es ohne Zweifel weiterhin ist: eine absolut unverzichtbare Informationsquelle für die aufkeimende Solarbranche und alle Interessierten.

© Solarmedia
/ Weitere Infos auf der Photon-Website, die allerdings leider nur einen sehr begrenzten Zugriff auf einzelne Artikel erlaubt und auch nicht grade mit Aktualität glänzt.